Der erste ETF-Sparplan fürs Kind läuft. Jetzt liest du von einem zweiten Fonds: mehr USA, Schwellenländer oder Nasdaq-100. Klingt nach mehr Möglichkeiten – aber wird das Depot dadurch auch breiter aufgestellt?
Ein breit gestreuter ETF kann den gewünschten Aktienbaustein bereits abdecken. Entscheidend ist, welche Anlagen darin stecken und wie sie gewichtet sind. Ein zweiter ETF kann fehlende Märkte ergänzen. Er kann aber auch dieselben Unternehmen nochmals ins Depot bringen und deren Einfluss verändern. Mehr Fonds sind deshalb kein eigenes Qualitätsmerkmal.
Die folgende Hilfe prüft genau diesen Zusatznutzen. Wenn du zunächst zwischen weltweiten Indizes auswählst, beginne beim Welt-ETF-Ratgeber zur Marktabdeckung. Ob eine Aktienanlage überhaupt passt, hängt zusätzlich von eurem Geldbedarf und den tragbaren Verlusten ab.
Fünf ETF-Kombinationen: Was verändert der Zusatz?
Gemeint sind ETFs auf die jeweils genannten Standardindizes, keine gehebelten, abgesicherten oder abweichend gefilterten Varianten. Ein Index legt die Auswahl fest; ein ETF setzt sie als Anlageprodukt um. Auf kleinen Bildschirmen kannst du die Tabelle seitlich scrollen.
| Vorhandene Anlage | Geplanter Zusatz | Was verändert sich? | Was Eltern prüfen sollten |
|---|---|---|---|
| MSCI World | MSCI Emerging Markets | Ergänzt Schwellenländer zum Industrieländer-Baustein. Beide Standardindizes erfassen große und mittelgroße Unternehmen. | Welche Aufteilung möchtest du? Wie prüfst und korrigierst du sie bei Bedarf? Eine feste Musterquote ist nicht automatisch passend. Quellen: MSCI |
| MSCI World | S&P 500 | Verstärkt den Schwerpunkt auf große US-Unternehmen. Dieser Markt ist im World bereits vertreten; die Aktienauswahl kann sich vielfach überschneiden. | Willst du bewusst mehr US-Großunternehmen gewichten? Neue Fondsnamen allein erschließen keine neue Region. Quellen: S&P und MSCI |
| MSCI World | Nasdaq-100 | Ergänzt einen konzentrierteren Ausschnitt großer, an der Nasdaq notierter Nichtfinanzunternehmen. Überschneidungen sind möglich; einzelne Unternehmen und Branchen können mehr Einfluss erhalten. | Prüfe die tatsächlichen Positionen und Gewichte. Der Nasdaq-100 ist kein reiner Technologieindex und kein vollständiger US-Markt. Quellen: Nasdaq |
| FTSE All-World oder MSCI ACWI | Emerging-Markets-ETF | Schwellenländer sind bereits enthalten. Der Zusatz erhöht ihren Anteil, statt diese Marktgruppe erstmals zu erschließen. | Ist die Übergewichtung gewollt? Bei verschiedenen Indexanbietern Länderklassifikation und Abdeckung abgleichen. Quellen: MSCI und FTSE Russell |
| ETF auf einen bestimmten Index | Zweiter ETF auf denselben Index | Das angestrebte Aktienuniversum bleibt grundsätzlich gleich. Kosten, Nachbildung und Anteilsklassen können sich unterscheiden. | Prüfe den vollständigen Indexnamen und die Produktunterlagen. Ein anderer Emittent verteilt nicht automatisch die zugrunde liegenden Aktienrisiken neu. Einordnung von Index und Produkt |
Die Kombinationen sind eine redaktionelle Ableitung aus den offiziellen Indexregeln. Sie sind kein Portfolio-Ranking und enthalten keine berechneten Überschneidungsquoten. Insbesondere ist ein US- oder Nasdaq-Zusatz nicht pauschal falsch – er sollte einen bewusst gewählten Zweck erfüllen.
So erkennst du Überschneidungen
Öffne für beide Fonds die offiziellen Bestandslisten. Vergleiche die Unternehmen und ihre Gewichte, nicht nur die Zahl der Positionen. Steht eine Firma in beiden Listen, erhältst du durch den zweiten Fonds keine zweite unabhängige Firma. Ihr Einfluss ergibt sich aus den Gewichten innerhalb der Fonds und deren Anteilen an deinem Depot.
Die zehn größten Positionen sind ein guter Einstieg, aber keine vollständige Analyse. Für eine genaue Quote brauchst du vollständige Listen mit vergleichbarem Stichtag; verschiedene Aktienklassen desselben Unternehmens dürfen dabei nicht unbemerkt als unabhängige Unternehmen gezählt werden. Eine bloße Anzahl gemeinsamer Titel sagt zudem noch nicht, wie viel Geld auf diese entfällt.
Bei MSCI World und S&P 500 treffen zwei Auswahlen zusammen, die große US-Aktien einschließen. Der Nasdaq-100 grenzt zusätzlich nach Börsennotierung und Nichtfinanzunternehmen ein und verwendet eine modifizierte Gewichtung nach Börsenwert. Diese Regeln erklären den möglichen Schwerpunkt; eine frühere gute Wertentwicklung beweist keinen künftigen Renditevorteil. Die offiziellen Grundlagen sind bei S&P und bei Nasdaq verlinkt.
Reicht der Vanguard FTSE All-World? Wenn dein gewünschter Aktienbaustein große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern abdecken soll, kann ein Fonds auf diesen Index diese Aufgabe übernehmen. Er enthält nicht sämtliche Unternehmen weltweit. Weitere ETFs brauchst du nicht allein, um eine höhere Anzahl an Fonds zu erreichen. Die konkreten Anteilsklassen erklärt der Vanguard-Produktcheck fürs Kinderdepot.
Rechenbeispiel: Aus 70 % werden 76 % US-Anteil
Rein hypothetisch: ETF A enthält 70 % US-Aktien, ETF B 100 %. Dein Depot besteht wertmäßig zu 80 % aus A und zu 20 % aus B. Dann ergibt sich:
0,80 × 70 % + 0,20 × 100 % = 76 % US-Anteil.
Der zweite ETF erhöht den Anteil hier um sechs Prozentpunkte gegenüber einer ausschließlichen Anlage in A. Die Zahlen sind frei gewählte Modellannahmen, keine aktuellen Indexwerte und keine empfohlene Aufteilung. Das Beispiel berechnet keine Rendite.
Wichtig ist der aktuelle Depotwert: Wenn 80 % der neuen Sparrate in A fließen, muss A nicht 80 % des vorhandenen Depots ausmachen. Bisherige Einzahlungen und Kursbewegungen können andere Gewichte ergeben. Außerdem ist ein Länderanteil weder identisch mit dem USD-Währungsrisiko noch mit der Herkunft der Unternehmensumsätze.



