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Ab wann sollte mein Kind sein Depot sehen – und was darf es selbst?
Wann erzählst du deinem Kind von seinem Depot? So kannst du es schrittweise einbeziehen – mit Gesprächsbeispielen und klarer Trennung von Einblick, Mitsprache und Handeln.
Eltern für Eltern Aktualisiert 12. September 2026 5 Minuten
Du sparst seit Jahren fürs Kind. Irgendwann schaut es dir über die Schulter und fragt: „Ist das mein Geld?“ Vielleicht freust du dich über das Interesse. Vielleicht überlegst du auch, ob die Summe dein Kind überfordert oder sofort eine lange Wunschliste auslöst.
Unsere Empfehlung: Beziehe dein Kind schrittweise ein, sobald es Interesse zeigt und einfache Geldbeträge einordnen kann. Du musst weder am ersten Tag sämtliche Zahlen erklären noch bis kurz vor dem 18. Geburtstag warten. Das erste Gespräch braucht keinen eigenen App-Zugang. Entscheidend ist, was dein Kind schon versteht und welche Fragen es stellt.
Depot sehen, mitreden und selbst handeln sind drei Dinge
Ein Depot gemeinsam anzusehen bedeutet nicht, dem Kind die Kauf- und Verkaufsfreigabe zu überlassen. Für eure Gespräche hilft diese Unterscheidung:
Einblick: Du zeigst einen Depotstand oder eine verständliche Übersicht und erklärst Einzahlungen und Wertentwicklung.
Mitsprache: Dein Kind formuliert Wünsche, stellt Fragen und kann Vorschläge begründen. Ihr besprecht sie gemeinsam.
Handeln: Ein echter Auftrag wird erteilt oder freigegeben. Hier zählen die gesetzlichen Voraussetzungen und die konkret eingerichteten Berechtigungen der Bank.
Diese Trennung passt zum Grundgedanken von § 1626 BGB: Zur elterlichen Sorge gehört die Vermögenssorge. Zugleich sollen Eltern die wachsende Selbstständigkeit berücksichtigen, Fragen entsprechend dem Entwicklungsstand besprechen und Einvernehmen anstreben. Daraus ergibt sich kein bestimmter Geburtstag für das erste Depotgespräch.
Welche Beteiligung passt in welchem Alter?
Die folgenden Altersbereiche sind redaktionelle Gesprächsvorschläge, keine gesetzlichen Freigaben oder festen Entwicklungsstufen. Ein neugieriges jüngeres Kind kann weiter sein als ein älteres, das sich gerade für andere Dinge interessiert. Passe Umfang und Tempo an.
Grobe Orientierung
Was du zeigen kannst
Wobei dein Kind mitwirken kann
Etwa 6–9 Jahre
Dass für später Geld zurückgelegt wird und ein Depot etwas anderes als eine Spardose ist.
Fragen stellen und Wünsche für später erzählen. Ein kurzes Gespräch reicht.
Etwa 10–13 Jahre
Einzahlungen und heutigen Wert getrennt; auch ein Beispiel mit Verlust.
Die Zahlen vergleichen und in eigenen Worten erklären, warum der Wert schwankt.
Etwa 14–17 Jahre
Den tatsächlichen Bestand, Kosten, Risiken und den bisherigen Sparplan.
Anlageideen hinterfragen, Ziele besprechen und Vorschläge mit Gründen aufschreiben.
Auf kleinen Bildschirmen lässt sich die Tabelle seitlich scrollen. Auch vor diesen Altersbereichen kannst du auf Fragen zu Geld eingehen; dafür braucht es noch keine Depotübersicht.
Soll ich den vollständigen Betrag zeigen?
Als Einstieg kannst du zuerst Zweck und Einzahlungen erklären und anschließend den aktuellen Gesamtwert dazunehmen. Erfinde dabei keine kleinere Summe. Wenn du nur einen Ausschnitt zeigst, sage das offen: „Heute schauen wir auf das Geld, das dieses Jahr dazugekommen ist. Danach können wir uns den gesamten Stand ansehen.“
Ordne größere Beträge ein, ohne Druck zu machen: „Wir haben über längere Zeit Geld für dich angelegt. Wir wünschen uns, dass es dir später Möglichkeiten eröffnet.“ Vermeide Versprechen über einen sicheren Endbetrag und Sätze wie „Nach unseren Opfern musst du damit genau das machen, was wir wollen.“
Unser pädagogischer Vorschlag ist, das Depot zunehmend transparent zu machen. Dieser Abschnitt entscheidet nicht über mögliche rechtliche Auskunftsansprüche in einem individuellen Konflikt.
Ein erstes Depotgespräch in zehn Minuten
Nimm dir einen ruhigen Moment und eine einfache Übersicht. Du kannst so beginnen:
„Für dich gibt es ein Depot. Darin legen wir Geld für später an. Heute möchte ich dir zeigen, was eingezahlt wurde und wie viel die Anlagen gerade wert sind. Du darfst alles fragen. Wir müssen heute nichts kaufen oder verkaufen.“
Zweck besprechen: „Was würdest du später gern damit ermöglichen?“ Höre erst zu, bevor du eigene Vorstellungen ergänzt.
Zwei Zahlen unterscheiden: „Das wurde eingezahlt. Das ist der heutige Wert.“ Einzahlungen sind kein Kursgewinn.
Schwankungen erklären: „Der Wert kann steigen und fallen. Mehr ist nicht versprochen.“
Verständnis erfragen: „Wie würdest du jemandem erklären, was ein Depot ist?“ Es geht um ein Gespräch, nicht um eine Prüfung.
Nächstes Treffen vereinbaren: Beispielsweise in drei Monaten oder wenn eine neue Frage auftaucht. Tägliches Kontrollieren ist für diesen Einstieg nicht nötig.
Fiktives Rechenbeispiel: Aus eingezahlten 1.000 Euro ist ein aktueller Wert von 900 Euro geworden. Das sind 100 Euro beziehungsweise 10 Prozent weniger. Erkläre den Verlust ehrlich; verspreche nicht, dass die Kurse bis zu einem bestimmten Datum wieder steigen. Wenn die Zahlen dein Kind beunruhigen, vereinfache das Gespräch und lasse Zeit für Rückfragen.
Was darf mein Kind selbst?
Fragen, recherchieren und Vorschläge machen kannst du vom tatsächlichen Auftrag klar trennen. Eine Beobachtungsliste oder ein Papierdepot reicht aus, um Ideen zu besprechen. Anregungen dazu bietet unser bestehender Ratgeber zum spielerischen Lernen über Aktien.
Für echte Rechtsgeschäfte gelten andere Regeln: Ab sieben Jahren sind Minderjährige nach § 106 BGB beschränkt geschäftsfähig. Für Willenserklärungen, die nicht lediglich einen rechtlichen Vorteil bringen, verlangt § 107 BGB die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters. Daraus folgt kein allgemeiner Anspruch auf eigenständigen Wertpapierhandel. Die gesetzliche Vertretung regelt § 1629 BGB.
Bankbeispiel ING: Laut offizieller Junior-FAQ ist das Anlegen im Direkt-Depot Junior ausschließlich den gesetzlichen Vertretern vorbehalten. Diese Aussage gilt für den beschriebenen ING-Prozess; sie belegt keine identischen Funktionen bei allen Anbietern.
Frage deine Bank ausdrücklich: Gibt es einen eigenen Zugang fürs Kind? Ist er nur zur Ansicht gedacht? Ab welchem Alter und mit welchen Zustimmungen wird er angeboten? Welche Aufträge darf wer freigeben? Ein sichtbarer Kaufbutton oder ein Kinderkonto-Login beantwortet diese Fragen nicht.
Teile zum Üben keine Eltern-PIN oder Freigabecodes. Zeige die Übersicht gemeinsam oder nutze einen vorgesehenen eigenen Zugang mit geklärten Rechten. Weitere Hinweise findest du unter Kinderdepot digital sichern.
Eine einfache Vereinbarung für eure Depotgespräche
Wir erklären Zahlen und Risiken ehrlich, auch wenn die Entwicklung gerade enttäuscht.
Fragen und Wünsche sind willkommen; eine Idee löst noch keinen Auftrag aus.
Vor einem echten Auftrag prüfen wir Zuständigkeit, Berechtigungen und Folgen.
Wir vergleichen den Depotstand nicht als Wettbewerb mit Freunden oder Geschwistern.
Wir besprechen rechtzeitig, wie eigenständige Verantwortung aussehen kann.
Diese Gesprächsregeln ersetzen keine gesetzlichen oder bankseitigen Voraussetzungen. Für den späteren Übergang lies was sich beim Kinderdepot mit 18 ändert. Hier geht es um die Vorbereitung: Dein Kind soll nach und nach verstehen, was es besitzt und welche Folgen Entscheidungen haben können.
Quellenprüfung am 12. September 2026: Die verlinkten BGB-Vorschriften und die ING-Junior-FAQ wurden für die rechtlichen Grundsätze und das Anbieterbeispiel geprüft. Altersbereiche, Gesprächsdauer und Familienregeln sind redaktionelle Anregungen; ein eigener Kinderzugang oder Handelsrechte werden damit nicht zugesagt.
Wichtiger Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und stellen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Kapitalanlagen unterliegen Wertschwankungen; Verluste sind möglich.
Ein Millionenziel fürs Kind braucht klare Modellannahmen. Die Beispiele zeigen, was kleine Sparraten rechnerisch ergeben und weshalb daraus kein Vermögensversprechen folgt.