Eine kleine Wohnung kaufen, vermieten und später dem Kind überlassen – dieser Gedanke liegt für viele Eltern und Großeltern nahe. Andere sparen monatlich in einen weltweit gestreuten Aktien-ETF und möchten ihrem Kind damit einen freien Start ins Erwachsenenleben ermöglichen. Immobilie oder ETF-Depot fürs Kind? Entscheidend sind nicht nur mögliche Erträge, sondern auch Finanzierung, Eigentum und die Frage: Was braucht das Kind später tatsächlich?
Wir vergleichen hier eine als Kapitalanlage gekaufte Wohnung mit einem breit gestreuten Aktien-ETF. Das selbst bewohnte Familienhaus ist ein anderer Fall: Dort gehören Wohnnutzen und ersparte Miete in die Rechnung. Ein schmaler Branchen-ETF oder einzelne Aktien sind ebenfalls kein gleichwertiger Ersatz für den hier betrachteten Welt-ETF.
Die Kurzantwort: Sparziel und Familienbudget entscheiden
Unsere redaktionelle Einordnung: Wenn der spätere Wohnort und die Verwendung des Geldes offen sind, spricht die Flexibilität für ein ETF-Depot. Eine konkrete Wohnung kann passen, wenn das Objekt auch ohne späteren Einzug des Kindes wirtschaftlich tragfähig ist, genügend Eigenkapital vorhanden ist und die Familie Vermietung und Reparaturen übernehmen möchte. Keine der beiden Anlagen garantiert einen Gewinn.
| Eure Ausgangslage | Was eher dafür spricht |
|---|---|
| Ihr wollt mit kleinen, anpassbaren Beträgen beginnen | ETF-Sparplan: Einstieg ohne Immobilienkredit möglich |
| Studienort und Beruf des Kindes sind noch völlig offen | Depot: Geld lässt sich später auf mehrere Ziele verteilen |
| Ihr habt ein geprüftes Objekt, Reserven und Erfahrung mit Vermietung | Immobilie: gezielte Ergänzung des Familienvermögens prüfen |
| Das Geld wird in wenigen Jahren zu einem festen Termin gebraucht | Den benötigten Betrag nicht allein auf Aktienkurse oder einen späteren Immobilienverkauf stützen |
| Ihr besitzt bereits viel Immobilienvermögen | Ein breit gestreutes Depot kann die Verteilung auf Anlageklassen verbessern |
Vor jeder Anlageentscheidung sollten Liquiditätsreserve und laufende Verpflichtungen der Familie geklärt sein. Eine Übersicht dazu bietet unser Ratgeber Familie finanziell absichern.
Immobilie und ETF-Depot im direkten Vergleich
| Merkmal | Vermietete Wohnung | Breit gestreuter Aktien-ETF |
|---|---|---|
| Startkapital | Kaufnebenkosten, Eigenkapital und zusätzliche Reserven einplanen | Kleine Sparraten oder größere Einmalanlage möglich |
| Risikoverteilung | Abhängigkeit von Objekt, Lage, Mietern und gegebenenfalls Eigentümergemeinschaft | Verteilung auf viele Unternehmen; allgemeines Aktienmarktrisiko bleibt |
| Finanzierung | Häufig Kredit mit verbindlichen Raten und möglichem Anschlusszinsrisiko | Hier ohne Kredit betrachtet; Sparrate kann angepasst werden |
| Laufender Aufwand | Verwaltung, Reparaturen, Vermietung, Abrechnungen | Sparplan und gelegentliche Prüfung der Anlagestrategie |
| Verfügbarkeit | Verkauf braucht Zeit; eine Wohnung lässt sich nicht einfach stückweise verkaufen | Anteile grundsätzlich börsentäglich handelbar, aber möglicherweise zu ungünstigen Kursen |
| Nutzung | Mieteinnahmen oder spätere Wohnnutzung | Geld für Studium, Ausbildung, Wohnung oder weitere Anlage |
| Sichtbarkeit des Risikos | Kein täglicher Börsenkurs, trotzdem Wertverluste möglich | Kursschwankungen sind im Depot sofort sichtbar |
Eine Wohnung ist nicht allein deshalb sicherer, weil ihr Preis nicht täglich angezeigt wird. Umgekehrt macht die Handelbarkeit einen Aktien-ETF nicht zu einem sicheren Parkplatz für kurzfristig benötigtes Geld.
„Für das Kind“ heißt noch nicht „Eigentum des Kindes“
Kauf oder Depot auf den Namen der Eltern
Kaufen Eltern eine Wohnung auf ihren Namen, gehört sie zunächst ihnen. Die Absicht, sie später dem Kind zu geben, ersetzt keine Übertragung. Dasselbe gilt für ein separat geführtes Elterndepot. Eine spätere Schenkung ist ein eigener Schritt. Bis dahin kann die Familie über die Verwendung entscheiden, muss aber auch die eigene Vermögens- und Nachlassplanung berücksichtigen.
Eigentum von Anfang an beim Kind
Ein echtes Kinderdepot gehört dem Kind; Eltern verwalten es während der Minderjährigkeit. Mit Volljährigkeit entscheidet grundsätzlich das Kind selbst. Das gilt auch dann, wenn die Eltern das Geld gedanklich für einen Immobilienkauf reserviert hatten. Die Unterschiede erläutert Kinderdepot oder Depot der Eltern.
Bei Immobilien im Eigentum Minderjähriger ist die Gestaltung anspruchsvoller. Je nach Rechtsgeschäft sind familiengerichtliche Genehmigungen und bei Vertretungskonflikten zusätzliche rechtliche Schritte erforderlich. Ein Kauf, eine Schenkung und eine kreditbelastete Übertragung sind nicht gleich zu behandeln. Lasst die konkrete Gestaltung vorab notariell prüfen; die gesetzlichen Anknüpfungspunkte sind § 1643 BGB und § 1850 BGB.
Welche Kosten gehören wirklich in den Vergleich?
Bei einer Wohnung zählt mehr als der Kaufpreis: Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Makler erhöhen den Kapitalbedarf. Hinzu kommen nicht auf Mieter umlegbare Kosten, Verwaltung, Instandhaltung und mögliche Sonderumlagen. Mietausfälle und Leerstand müssen finanziell überbrückt werden können. Die Kredittilgung baut Vermögen auf, ist aber trotzdem eine monatliche Zahlung; Zinsen sind Finanzierungskosten.
Beim ETF gehören laufende Fondskosten, gegebenenfalls Depot- und Ausführungsgebühren sowie Handelsspannen in die Rechnung. Steuern betreffen beide Wege. Wer nur die Bruttomiete mit einer ETF-Rendite vergleicht, lässt wesentliche Unterschiede aus.
Modellrechnung: 75.000 Euro Startkapital und 500 Euro monatlich
Rechenbeispiel vor persönlichen Steuern, keine Renditeprognose: Beide Wege nutzen 75.000 Euro Startkapital und zusätzlich 500 Euro monatlich aus dem Familienbudget über 18 Jahre. Insgesamt sind das 183.000 Euro eigene Mittel. Wir betrachten zunächst Vermögensaufbau beim gleichen erwachsenen Eigentümer, nicht eine bereits vollzogene Schenkung an das Kind. Eine zusätzliche Notfallreserve liegt bei beiden Varianten außerhalb der Rechnung.
| Annahme | Wohnungsmodell | ETF-Modell |
|---|---|---|
| Startkapital | 75.000 €: davon 25.000 € Kaufnebenkosten und 50.000 € Eigenkapital im Objekt | 75.000 € vollständig angelegt |
| Kaufpreis / Kredit | 250.000 € Kaufpreis; 200.000 € Kredit | Kein Kredit |
| Monatliche Zahlungen | 1.000 € Kreditrate; 700 € Kaltmiete abzüglich 200 € laufender Eigentümerkosten und pauschalem Reparatur-/Ausfallbudget | 500 € Sparrate am Monatsende |
| Belastung der Familie | 1.000 € minus 500 € Mietüberschuss = 500 € monatlich | 500 € monatlich |
| Zins und Laufzeit | 4 % nominaler Kreditzins, monatliche Verzinsung, über alle 18 Jahre unverändert | 18 Jahre; Renditeszenarien nach laufenden Anlagekosten |
| Am Ende | Verkauf mit pauschal 3 % Verkaufskosten und Abzug der Restschuld | Depotwert vor persönlichen Steuern; keine gesonderten Handelsgebühren modelliert |
Alle Zahlen sind frei gewählte Modellannahmen, keine aktuellen Kauf-, Miet- oder Kreditangebote. Die 200 Euro werden rechnerisch jeden Monat vollständig verbraucht; es entsteht keine zusätzliche Reserve. Größere Reparaturen oder längerer Leerstand können diesen Ansatz deutlich überschreiten. Miete, Rate und Kosten bleiben konstant. Eine mögliche Vorfälligkeitsentschädigung ist nicht enthalten; modelliert wird ein Verkauf ohne diese zusätzliche Belastung.
Was bleibt bei der Wohnung nach 18 Jahren?
Unter diesen Annahmen verbleiben rund 94.803 Euro Restschuld. Vom angenommenen Verkaufspreis werden zunächst 3 Prozent Verkaufskosten und anschließend die Restschuld abgezogen.
| Angenommene jährliche Preisänderung | Verbleibendes Vermögen nach Verkauf und Kredittilgung |
|---|---|
| 0 % | ca. 147.697 € |
| 2 % | ca. 251.547 € |
| 4 % | ca. 396.458 € |
Was könnte im ETF-Depot stehen?
Die folgenden effektiven Jahresrenditen verstehen sich nach laufenden Anlagekosten, aber vor persönlichen Steuern. Für die Monatszahlungen wird die entsprechende effektive Monatsrendite verwendet.
| Angenommene jährliche ETF-Rendite | Depotwert nach 18 Jahren |
|---|---|
| 3 % | ca. 270.090 € |
| 5 % | ca. 353.125 € |
| 7 % | ca. 463.954 € |
Die Tabellen sind unabhängige Szenarien, keine gleich wahrscheinlichen Alternativen. Immobilienpreise können auch fallen; ETF-Renditen können niedriger oder negativ ausfallen. Die Rechnung zeigt keinen allgemeingültigen Gewinner. Persönliche Steuern, Inflation, steigende Mieten und Kosten sowie tatsächliche Kursverläufe fehlen. Gerade Steuern können den Abstand verändern. Für eine individuelle Entscheidung braucht es eine vollständige Nachsteuerrechnung für das konkrete Objekt und den tatsächlichen Eigentümer.
Warum ist die Finanzierung wichtig? Bei einer kreditfinanzierten Wohnung wirken Preisänderungen auf ein wesentlich größeres Objektvolumen als das eingesetzte Eigenkapital. Das verstärkt Chancen und Verluste. Ein Zinsanstieg bei einer späteren Anschlussfinanzierung würde das hier konstant gehaltene Budget zusätzlich verändern.
Eigene Sparraten und Laufzeiten kannst du im Sparplanrechner für Kinder modellieren. Er berechnet ein Sparvermögen, keinen vollständigen Immobilienvergleich.



